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Stadt Die Stadt kenn ich. Bin ich schon oft durchgelaufen. Daß sie die alten Fassaden abräumen gefällt mir nicht. Weißt du, jetzt nehmen sie so riesige Beton?Platten, ich meine es sieht vornehmer aus, aber in Baumaterialien kenne ich mich nicht aus. Vorher habe ich Ecken gesehen, das war die und die Bank, der Laden, eben die Straßenecke, jetzt ist alles glatt. Städtelifting, gibt's das schon? ich mein, wenn sie die Leute so gleich glatt herstellen, wollen sie das vielleicht auch so für die Städte? Ist ja möglicherweise modern, ich mein ich bin nicht immer unterrichtet. Ist auch unwichtig. War eigentlich gar nicht, was ich jetzt sagen wollte. Ich mein, es geht um die Stadt, die ich kenne, nicht das Stück Ostwall, das sie gerade wegretuschieren. Also oft fuhr ich den Berg rauf, meistens grübelnd, ob es nicht doch eine Einbahnstraße in Gegenrichtung war. Ich fuhr also hoch, manchmal ging ich auch, und oben stellte sich dann heraus, daß ich nicht wußte, was ich da eigentlich wollte. Ich suchte einen bestimmten Weg, aber das war irgendwie die falsche Gegend. So fuhr ich dann auf der anderen Seite abwärts, jede Querstraße ins Auge fassend (manchmal lief ich auch, da geriet ich dann schneller in Schwitzen). Ob mit oder ohne Auto machte ich manchmal an einer Busstation Halt: kaufte mir Lakritzen, eine Zeitung zum Wichtigaussehen, schaute mir die Leute an. Wenn sie mir sympathisch waren, benutzte ich denselben Bus wie sie. Im Bus war es weniger anstrengend. Aus dem Fenster schauen ist wie Kino. Man lutscht Lakritzen und sieht, was für einen selber wichtig ist. Ärgerlich ist nur, der Bus fährt nicht immer, wo ich will. Gerade an der Weiche (ich weiß, daß ich nicht im Zug sitze, ist aber keine Kreuzung, sondern eine Gabelung, und außerdem laufen auf ihr noch Straßenbahnschienen) also an der letzten Weiche, wäre ich lieber links gefahren, statt geradeaus. Da schmeckt einem der Lakritz nicht mehr, echt. Jetzt muß ich aussteigen, so ein Mist, und dann noch das ganze Stück zurück. Auf jeden Fall komm ich mir jetzt wieder richtig vor, das ist wesentlich, alles andere: schmeiß es über die Schulter. Ich folge also meinem vorgeschriebenen Weg. Diesmal ist er schön. Die Straße macht einen gekonnten Bogen mitten zwischen vertrauenerweckende Wohnhäuser und kuschelige Laubbäume. Ich laufe auf den ersten zu, umarme ihn und rieche sofort, daß er mein Freund ist. Hier muß es also irgendwo sein? Ich gehe weiter, stehe aber plötzlich wieder in dieser baumlosen Gegend. Parkplatz, Disco, Pommesbude. Sagte ich doch, daß ich die Stadt kenne, davorn ist die Imbißstube von Tante Edeltraut. Wollt ich aber doch gar nicht hin. Also ein Schritt zurück und ich stehe wieder zwischen den Bäumen.
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